Songwriting

Aus dem Leben eines Songs

Draußen fallen immer mehr braune Blätter von den Bäumen und damit ist es unübersehbar Herbst geworden. Eine tolle Jahreszeit, wie ich finde!

Neben schönen Spaziergängen in den buntgefärbten Hunsrücker Wäldern steht vor allem eines in nächster Zeit auf meinem Plan: Songwriting.
Ein neuer Song (noch ohne Titel) ist gerade mitten im Entstehen und da der Text schon fertig ist, konzentriere ich mich nun auf die Musik. Bis ich die Begleitung am Klavier wirklich ausgearbeitet habe, wird noch ein wenig Zeit vergehen und nach einer gewissen Übephase wird dann, vermutlich gg. Ende des Jahres, der Zeitpunkt kommen, an dem der Song das erste Mal Bühnenluft schnuppern wird.
Das ist ein wirklich aufregender Moment im Lebenszyklus eines Songs. Und wer denkt, dass ein Lied damit fertig ist, der irrt. Tatsächlich reift ein Song (ähnlich wie ein Künstler) auch erst im Rampenlicht. Erst vor Publikum zeigt sich, ob es Längen gibt, was verstanden wird und was nicht, was das Lied für eine Einbettung braucht (z.B. durch die Ansage), ob es die beabsichtigte Stimmung / Bilder auch erzeugt usw. In dieser Phase befindet sich z.B. mein Song „Babbel-Bärbel“, der nach den ersten Auftritten vor Publikum einige Federn in Form einer kompletten Strophe lassen musste.
Ein neues Stück bringt bei den ersten Auftritten automatisch eine anfängliche Unsicherheit, weshalb ich keinen Künstler kennen, der diese Augenblicke wirklich mag. Aber gleichzeitig schenkt einem diese „Un-Routiniertheit“ ein hohes Maß an Konzentration und damit auch Intensität und Unverfälschtheit, die eine ganz eigene Atmosphäre erzeugen kann. Mit zunehmender Routine beginnt das Lied dann aber auch mehr zu atmen, mehr Raum für Ausdruck zu lassen und sich beim Spielen in Details zu verändern. Erst damit ist es für mich an dem Punkt, auch aufgenommen werden zu können, was die Entstehung einer CD zu einer längeren Reise werden lässt.

Wer mich mal wieder live hören möchte, der hat bis zum Ende des Jahres noch an vier Terminen die Chance dazu:
Ich spiele am 10. November ab 20:00 Uhr einen Kurzauftritt im Theater in der Kurve, 67434 Neustadt an der Weinstraße
Am 12. November bin ich ab 19:00 Uhr als Vorprogramm für Biber Herrmannn und Tilmann Höhn im Salon in 65344 Eltville-Martinsthal zu hören.
Am 1. Dezember spiele ich einen Kurzauftritt in der Kultpassage in 76870 Kandel
Und am 10. Dezember gibt es ein Doppelkonzert mit Biber Herrmann in Christel’s Scheune in 63457 Hanau

Ich wünsche euch einen goldenen Herbst und freue mich auf ein Wiedersehen bei einem meiner Konzerte!

Drei Frauen im Park

Letztes Jahr entstand bei mir der Gedanke, eine kleine Veranstaltungsreihe durchzuführen, bei der ich jeweils zwei weibliche Singer-Songwriterinnen bzw. Liedermacherinnen zu mir auf die Bühne einladen wollte. Die Veranstalterin der Bad Camberger Kurkonzerte „Sommer im Park“, Birgit Weyers, war von der Idee sofort begeistert und so begann ich mit der Planung.
Meine Wahl für den ersten Termin fiel auf Lea Radermacher und Enkhtuya Jambaldorj.

Lea Radermacher ist eine 19jährige Singer-Songwriterin aus Ingelheim, die mit der Gitarre in ihren eigenen, englischsprachigen Songs von der Liebe, dem Leben und dem Wunsch, den eigenen Weg zu finden, erzählt. Ich kenne sie schon von verschiedenen anderen Veranstaltungen, u.a. dem Idsteiner Jazz-Festival, bei dem sie die Veranstaltung eröffnet hat und ich weiß, dass sie ihre Zuhörer mit ihrer frischen Energie fesselt.
Die aus den Tiefen der Mongolei stammende Künstlerin Enkhtuya Jambaldorj nimmt ihr Publikum mit auf eine faszinierende Reise in das Reich der exotischen Klänge. Mit Gesang und auf landestypischen Instrumenten wie der Shudraga (Langhalslaute), Morin Khuur (Pferdekopfgeige), Yatga (Wölbbrettzither) vollzieht sie einen Streifzug durch die traditionelle zentralasiatische Folklore (Mongolei, Nordchina, Burjatien) und lässt dabei zugleich experimentelle Einflüsse aus der zeitgenössischen Weltmusik nicht aus.
Zusammen mit meinen eigenen, deutschsprachigen Liedern am Klavier ergibt sich ein dreigeteilter Konzertabend mit einer abwechslungsreichen, interkulturellen und genreübergreifenden Mischung, die in dieser Form sicherlich nicht häufig anzutreffen ist.

Und tatsächlich hat sich schon in dieser Anfangsphase ein weiterer Veranstalter gefunden, so dass sich die anfangs geplante lose Verbindung in Zukunft zu einem festen Projekt entwickeln könnte. Man darf gespannt sein…

Wer die „Drei Frauen“ im Kurpark von Bad Camberg erleben möchte, der ist am 12.Juli ab 19:30 Uhr herzlich willkommen. Bei schlechtem Wetter wird die Veranstaltung im Kurhaus stattfinden.

Neben „Drei Frauen im Park“ werde ich am 2. August, ebenfalls ab 19:30 Uhr, mit meinem kompletten Programm noch einmal im Bad Camberger Kurpark bei „Sommer im Park“ zu hören sein. Wie bereits im letzten Jahr wird mich dabei Biber Herrmann als Special Guest und virtuose Bereicherung begleiten.
Über euer Kommen würde ich mich sehr freuen und wünsche einen schönen Sommer!

Was inspiriert mich?

Jeder Künstler hat vermutlich seine ganz eigene Erfahrung damit, was ihn inspiriert. Mich erfasst die Inspiration manchmal völlig unerwartet. Sie kommt vielleicht als ein Stückchen Melodie, oder als eine Textzeile, die dann in meinem Kopf an Gestalt gewinnt. Allerdings bin ich immer für mich alleine, wenn sie vorbeischaut, mache vielleicht gerade einen Waldspaziergang oder sitze gemütlich zuhause. Sie kommt also immer fern ab von jeglichem Trubel. Dann heißt es, eine Entscheidung zu treffen: lasse ich dieses anfangs flüchtige und fragile Fitzelchen von Idee liegen, oder hebe ich es gleich auf und mache mich an die „Arbeit“?
Entscheide ich mich dafür, das Stückchen aufzugreifen, dann setze ich mich sofort hin, um möglichst schnell eine Rohfassung der Idee zu Papier zu bringen oder eine Melodie aufzunehmen, und sei es nur auf dem Handy. Denn so intensiv die Begegnung mit der Inspiration auch in dem Moment erscheinen mag, sie kann kurze Zeit darauf wieder verschwunden sein und mit ihr die gerade entstandene Idee.

Das spätere Ausfeilen der Idee, textlich oder am Klavier, braucht dann zwar viel mehr Zeit, aber wichtig ist es, die Grundidee erst einmal festzuhalten. Danach kann das Stück weiter wachsen und das passiert sogar oft im Unterbewusstsein, beim Autofahren oder Einkaufen. Man ist sozusagen „schwanger“ mit der Idee. Während dieser Phase nimmt das entstehende Lied deshalb viel Raum in meinem Geist ein. Weitere Inspirationen zu neuen Stücken kommen bei mir meist dann erst wieder, wenn ein Song fertig ist und ich ihn nur noch zu üben brauche.

Und wie entstehen die Melodien im eigenen Kopf?
Im Laufe des Lebens füllt sich bei jedem Menschen eine Art „innerer Musik-Topf“, gespeist aus allen Musikstücken, die man jemals gehört hat, insbesondere jenen, die einen emotional berühren und denen man sich verbunden fühlt. Keith Richards, Gitarrist der Rolling Stones, sagte nicht umsonst:

„You better be aware of what you hear because it’s gonna show in your songs“

Frei übersetzt: „Achte darauf, was Du hörst; es wird sich in Deinen Songs zeigen.“
Zum anderen speist sich die Musik aus den Erfahrungen und Fertigkeiten mit dem Musikinstrument, die ein jeder in unterschiedlichem Maße erworben hat.
Das klingt vielleicht etwas „luftig“, aber es passt zu der Antwort, die Keith Richards auf die Frage „Wie schreibt ihr eigentlich eure Songs“ gab:

„Songs are surrounding us. We just grab into the air and write them down.“

Keith Richard’s Bild, die Songs seien bereits da, man müsse sie sich nur noch aus der Luft schnappen und niederschreiben, spiegelt sich auch in meiner eigenen schamanischen Erfahrung der Inspiration wieder.
Ich sehe sie als eine Art Quelle, ein „Loch“ im Boden, mit großen Steinen ebenerdig umrandet, aus dem ein unermesslicher und unaufhörlicher Inspirationsstrom aus der Tiefe in einem riesigen „Wirbelkörper“ nach oben steigt. Wer sich an den Rand dieses Kreativitäts-Wirbelsturms begibt und sich dafür öffnet, kann Ströme davon aufnehmen und in seine ganz eigene Kunst übersetzen. Und diese „Übersetzung“ ist eine zutiefst Persönliche. Derselbe Strom würde von einem anderen Menschen auch anders wahrgenommen, als auch ganz anders „übersetzt“ werden – sowohl textlich, als auch in Melodie und Musik. Deswegen ist es kein Problem, ein Thema, welches sich schon in Hunderten von Liedern wieder findet, noch einmal aufzugreifen. Jeder Künstler findet eine andere Melodie und andere Bilder und Worte, um das Thema so auszudrücken, wie es durch ihn hindurch möchte. Manche wählen völlig andere Kunstformen, um ein und dasselbe Thema auszudrücken, z.B. als Gemälde, als Plastik usw.

Quelle

Es ist ein besonderes Gefühl, manchmal eine Idee in dieser „universellen Quelle“ erspähen und daraus etwas formen zu können. Ich fühle mich dann verbunden mit etwas Größerem als dem eigenen selbst. Und der Prozess ist mit nüchternen Worten kaum zu beschreiben. Es hat etwas mysteriöses und ebenso beglückendes an sich.
Bob Dylan schwieg einen Moment, als er die Frage gestellt bekam, woher seine Songs denn kommen. Dann sagte er:

„I stare into the mist and try to get in touch with that wellspring of creativity. And from there they come to be with me“.

(Ich starre in den Nebel und versuche, mit der universellen Quelle der Kreativität in Berührung zu kommen. Und von dort kommen die Songs und begleiten mich.)


Dieser Text gehört zur Blogparade „Was inspiriert Dich?“ des Netzwerks Ariadne und wird Teil eines eBooks. Kulturschaffende Kolleginnen und Kollegen aus dem Raum Wiesbaden, die noch bis zum 31. Oktober 2016 bei der Aktion mitmachen wollen, finden die Teilnahmebedingungen unter https://netzwerkariadne.wordpress.com/2016/08/22/ein-ebook-zum-geburtstag

… an den Tasten….

Ich hatte ja schon erwähnt, dass ich seit Anfang des Jahres stolze Besitzerin einer Gitarre bin und immer, wenn es meine Zeit erlaubt und ich Muße habe, schnappe ich mir das gute Teil, wir machen es uns auf meiner Couch gemütlich und schauen, was wir gemeinsam zustande kriegen.
Ich weiß nicht, ob es das lässige Abhängen und/oder meine unehrgeizige, eher spielerische Herangehensweise ist – auf jeden Fall scheint die Gitarre meine Kreativität zu beflügeln, denn schon zwei Songideen sind auf diese Art und Weise entstanden.
Eine davon hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einem kompletten Lied entwickelt, das den Titel Ich hab’s satt trägt.

AmKlavier

Es ist ein tolles Gefühl, wenn Akkorde, Text und Melodie schon fast mühelos zusammenfinden und die Dinge ins Fließen geraten. So kann es gerne jedesmal laufen! 🙂 Auch wenn es anschließend mit dem anstrengenderen und deutlich langwierigeren Teil weitergeht, nämlich mit der Ausarbeitung der Begleitung und dem Üben.

Auf der Gitarre konnte und wollte ich das Stück nicht lassen, weil ich dort nicht richtig umsetzen kann, was ich in meinem Kopf höre. Deswegen ging es als nächstes an’s Keyboard.
Und so war ich dann in den letzten Wochen mit dem Finden und Festlegen der Klavierbegleitung beschäftigt, die sich so langsam nun auch passend und fertig anfühlt.


entwurf
Die endgültige Klavier-Version muss ich erst ordentlich aufnehmen, aber wer möchte, kann sich jetzt schon einen kurzen Ausschnitt des allerersten Entwurfs (noch mit Gitarre) anhören:

Hier der Songtext:
 

Ich habs satt

 

Ich hab’s satt auf Dich zu warten
und nicht zu wissen, wo Du stehst,
jeden Morgen aufzuwachen und mich zu fragen, ob das der Tag ist, an dem Du gehst.

Ich hab’s satt auf Dich zu warten
und nicht zu wissen, wo Du warst.
Kann Deine Lügen nicht mehr hören und wie Du uns nicht eine einz’ge, blöde Ausrede ersparst.

Ich hab’s satt auf Dich zu warten
und nicht zu wissen, ob Du bleibst.
Oder ob Du alles hinwirfst und für Deine neue Liebe auf unser Leben scheisst.

Ich hab Angst auf Dich zu warten, weil ich weiß, was gleich passiert,
jetzt wo ich endlich spür, dass es aus ist und meine Liebe mich nirgendwohin führt.

Denn ich hab’s satt, ich hab’s satt auf MICH zu warten
und nicht zu wissen, wo ICH steh.
Bin heute morgen aufgewacht und hab gewusst:
das ist der Tag, der Tag an dem ich geh,
das ist der Tag, an dem ich geh.
Anja Sachs, 2015

Baumsetzung

In den letzten Wochen ging es relativ ruhig zu, deswegen konnte ich mir mit einer großen Portion Lust & Laune ausgiebig Zeit für’s Liederschreiben nehmen. Viele Texte sind entstanden, vieles landete abgeheftet im „Abfallordner“ (ich kann’s nicht einfach wegwerfen – der Text-Messi in mir schreit, dass man es ja vielleicht doch irgendwann grundlegend überarbeiten bzw. weiterverwenden könnte) und ein Song wurde tatsächlich fertig:
Baum“ heißt der neue Titel und seine Feuertaufe hatte er am 9. Mai anlässlich des Karlsruher Stadtgeburtstags auf der Bühne in der Karlsruher Südstadt.

KarlsruheStadtgeburtstag-1 KarlsruherStadtgeburtstag-2

Da er beim Publikum richtig gut angekommen ist, habe ich mich entschlossen, ihn als ersten eigenen Song hier auf der Website zu posten. Allerdings muss ich dazu erst ins Studio; meine Arbeitsaufnahmen sind eher weniger geeignet. Und weil in nächster Zeit wieder recht viele Veranstaltungen anstehen, wird es noch ein wenig dauern, bis es soweit ist und sich die „Musik“-Seite weiter füllt.